Im Fluss

18. März 2009

Das Konzept der Symbiose

Filed under: Random — Robinson @ 6:00 pm
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Symbiose in der Biologie ist gemäss Onkel Wiki „die Vergesellschaftung von Individuen unterschiedlicher Arten, die für beide Partner vorteilhaft ist.“ So profitieren Bienen etwa davon, dass sie von den Pflanzen Nektar kriegen im Gegenzug für die Bestäubungsarbeit, die sie leisten. Oder Ameisen beschützen Blattläuse und kriegen dafür Zuckerwasser. Diese Art von Symbiose hat einen starken Austausch-Charakter – sie hat vieles Gemeinsam mit wirtschaftlichen Aktivitäten des Menschen, etwa mit dem Handel mit Gütern.

Doch es gibt da noch eine weitere Art von Symbiose, ich nenne sie mal die Gegensatz-Symbiose (Philosophie-Cracks werden mich wohl korrigieren können, falls es dafür bereits einen Fachausdruck gibt). Die Gegensatz-Symbiose meint, dass „Arten“ ohne die Existenz eines diametral gegensätzlichen Konterparts selber auch nicht existieren könnten. Bekannt ist etwa die Tatsache, dass man Freude ohne die Kenntnis von Trauer genauso wenig erkennen kann, wie Liebe ohne Hass, Licht ohne Dunkel, den Tag ohne die Nacht, Wärme ohne Kälte.

Für die Existenz der einen „Art“ braucht es auch eine Existenz der anderen. Sonst wäre der Tag einfach nur da, er wäre eine Tatsache, für die es kein Wort, keine Beschreibung, keinen Beweis gibt.

Immer dann, wenn wir die Dinge relativ zueinander messen können, kommt die Gegensatz-Symbiose zum Zug. Das gilt auch für gesellschaftliche Phänomene. So ist etwa Reichtum ohne Armut unmöglich. Damit meine ich nicht, dass Reichtum automatisch bedeutet, dass den Armen etwas weggenommen worden ist. Aber Reichtum wird erst manifest, wenn man weiss, dass es auch ärmere Menschen gibt. Wenn ich eine Million Franken im Jahr verdienen würde, wie wüsste ich denn, dass ich damit zu den Reichen gehöre (tue ich übrigens nicht, also bitte keine Bettelbriefe), ausser via die Tatsache, dass die meisten weniger verdienen?

Woher weiss ich, dass ich politisch links der Mitte stehe, wenn nicht dadurch, dass die Mehrheit meiner Mitmenschen rechts von mir politisiert? Wie kann ich mich über Erfolge freuen, wenn nicht dadurch, dass ich auch immer mit Misserfolgen rechnen müsste?

Religionen, Mythen, Hollywood-Filme und überhaupt die Köpfe der Menschen sind voll von Vorstellungen zu Schwarz und Weiss, Gut und Böse, Himmel und Hölle. Das sind meist Vereinfachungen, die uns ein Orientierungsraster geben, dank dem wir nicht immer alles hinterfragen müssen. Wenn ich handeln muss, dann hilft es wenig, immer differenziert zu sein und alles wohlüberlegt abzuwägen.  Vielmehr gehe ich davon aus, dass etwas „gut“ oder zumindest „wünschenswert“ ist, und handle dann entsprechend.

„Gut“ oder „wünschenswert“ ist etwas jedoch immer nur im Vergleich zu einem „schlechten“ oder „suboptimalen“ Zustand. Das Gute lebt also von der Vorstellung des Schlechten. Das heisst, dass wir alle immer schon von der Gegensatz-Symbiose wussten, auch wenn wir den Begriff gerade jetzt in diesem Blog zum ersten mal gelesen haben.

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2 Kommentare »

  1. Ich liebe Neologismen!

    Kommentar von pipollina — 24. März 2009 @ 9:03 pm | Antwort

    • Diese Wortschöpfung habe ich gemacht weil ich entweder
      a) unglaublich innovativ bin und noch nie jemand anderer dieses Konzept entdeckt hat, oder
      b) zu wenig Bildung besitze, um zu wissen, wie das um ca. 450 v.Chr. von Platon entdeckte Konzept anerkanntermassen heisst.

      Kommentar von Robinson — 26. März 2009 @ 2:32 pm | Antwort


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