Im Fluss

8. April 2009

Web 2.0 ausser Kontrolle – und das ist gut so

Filed under: Medien & Journalismus,News,Politik,Uncategorized — Robinson @ 3:40 pm

Wie wir heute vor allem auf englischsprachigen Webseiten erfahren konnten, hat Twitter so etwas wie eine Revolution ausgelöst, oder zumindest eine Revolte, die sich hoffentlich noch zu einer Revolution entwickeln wird. Menschen, die die Schnauze voll haben von Armut und Kommunismus in Moldavien, haben sich via Twitter koordiniert und gemeinsam das Parlamentsgebäude gestürmt.

Ist schon klar, warum die Behörden bald darauf das Internet für die ganze Hauptstadt Chisinau gesperrt haben. Und warum China das Web zensuriert.

Was heisst das für uns im Westen? Lasst es auf gar keinen Fall zu, dass irgendwer uns vorschreibt, was wir zu schreiben oder zu lesen haben. Dass das Internet gerade für Kinder auch Gefahren darstellen kann, sei hier nicht bestritten. Um diesem Problem Herr zu werden, dürfen wir uns aber nicht auf Zensur einlassen, sondern müssen den Kindern offensiv in den Schulen den verantwortungsvollen Umgang mit dem mächtigen Mittel Internet beibringen.

Denn wenn jemand zensiert, verlieren wir vollständig jegliche demokratische Kontrolle darüber, was herausgefiltert werden soll und was nicht. Woher kriegen wir die Garantie, dass nicht ein korrupter Zensor die Webseiten einer legitimen aber missliebigen Firma sperrt. Oder einer Partei oder anderen Bewegung? Das würden wir ja gerade nicht merken, weil uns der Zugang zu den jeweiligen Inhalten verwehrt bliebe.

Das Urteil darüber was „surfenswert“ ist und was nicht, muss immer noch den Usern selbst überlassen sein. Die australische Regierung hat bereits eindrücklich demonstriert, wohin ihre Zensurbemühungen führen: Ihre schwarze Liste, die Ihr unter Wikileaks (zur Zeit noch) einsehen könnt, enthält vor allem recht abscheuliche, doch mitunter auch völlig legale und legitime Webseiten. AnonymousLefty hat die Absurdität des Ganzen sehr treffend auf den Punkt gebracht. Diese Zensiererei darf auf keinen Fall einreissen, sonst bringen wir uns um das stärkste Mittel der Kontrolle der Obrigkeit.

Und wie steht es mit kriminellen Inhalten, d.h. der Dokumentation von Straftaten wie Sex mit Kindern oder anderen Gewalttaten? Gerade da müssten die Gesetzeshüter ja ein Interesse daran haben, erst einmal herauszufinden, wer die Täter sind und sie dann hinter Gitter zu bringen. Gerne kann man dann auch deren Server vom Netz nehmen. Dazu braucht es keinen Filter beim ISP.

Dass westliche Staaten ihren Bürgern noch grösstenteils eine eigene Mündigkeit zusprechen ist ein Privileg. Eines, das wir uns erhalten sollten. Sonst haben die Menschen in Chisinau umsonst ihr Leben riskiert.

NACHTRAG: Annika hat vor einer Woche hier noch ein schönes Zitat dazu gepostet.

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